{"id":270,"date":"2020-07-19T07:26:08","date_gmt":"2020-07-19T05:26:08","guid":{"rendered":"http:\/\/wordpress.einfach-katholisch.at\/?p=270"},"modified":"2020-07-19T07:29:23","modified_gmt":"2020-07-19T05:29:23","slug":"was-wir-heute-kirche-nennen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/wordpress.einfach-katholisch.at\/?p=270","title":{"rendered":"&#8222;Was wir heute Kirche nennen &#8230;&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p>Der prominente Kirchenhistoriker Hubert Wolf hat <a href=\"https:\/\/www.kirche-und-leben.de\/artikel\/kirchenhistoriker-wolf-reform-war-bei-paepsten-ein-unwort\">in einer \u00f6ffentlichen Veranstaltung<\/a> &#8211; so die Berichterstattung dar\u00fcber &#8211; das pr\u00e4gnante Statement abgegeben:  \u201eDas, was wir heute Kirche nennen, besteht so erst seit dem 19. Jahrhundert.\u201c <\/p>\n\n\n\n<p>Nun, entweder hat da der Berichterstatter oder die -in gewaltig verdreht oder sich verh\u00f6rt, oder der Satz ist ein sch\u00f6nes Beispiel daf\u00fcr, dass Prominenz nicht davor sch\u00fctzt, manchmal Unsinn zu reden. Wolf verweist &#8211; so der Bericht weiter &#8211; auf zahlreiche Beispiele in der seelsorglichen und sakramentalen Praxis, die sich \u00fcber Jahrhunderte hinweg ver\u00e4ndert haben: <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">In fr\u00fcheren Jahrhunderten sei die Beichte von Menschen abgenommen worden, die sich \u00fcber ihre Nachfolge qualifiziert haben \u2013 \u201evon Nonnen und M\u00f6nchen\u201c. 500 Jahre lang habe ein Konsis\u00adtorium aus Kardin\u00e4len die Entscheidungen in Rom getroffen und nicht der Papst. \u201eAuch die Bisch\u00f6fe wurden nicht immer von Rom ernannt.\u201c Weibliche Diakone habe es gegeben. \u201e1.000 Jahre haben Frauen rechtlich als Bisch\u00f6fe agiert. Erst das Zweite Vatikanische Konzil hat das unm\u00f6glich gemacht.<\/p>\n\n\n\n<p> Die Beispiele, die er anf\u00fchrt, stimmen &#8211; grunds\u00e4tzlich. Nur verschweigt er einerseits, dass es f\u00fcr alle diese und mehr von der heutigen Praxis abweichenden Regelungen gute Gr\u00fcnde gab und dass er andererseits &#8222;Highlights&#8220; aus zweitausend Jahren Geschichte in kurzer Zeit und wenigen S\u00e4tzen zusammenzieht. Da mag der Historiker toleranter sein; dem Systematiker &#8211; wie ich nun einmal einer bin &#8211; schaudert es. <\/p>\n\n\n\n<p>Diese Sichtweise reduziert die Kirche auf ihr Beiwerk, n\u00e4mlich auf ihre strukturelle Verfassung, auf ihre historische Gestalt und ihre konkrete organisatorische Erscheinungsform. Ist aber nicht genau das der Kardinalfehler (pun intended)? Wenn wir die Botschaft der Evangelien ernst nehmen; wenn wir uns verdeutlichen, was die theologische und spirituelle Aufgabe der Kirche und ihre Verfasstheit als Volk Gottes ist, dann d\u00fcrfen wir das Pferd nicht von hinten aufz\u00e4umen und die Erscheinungsform f\u00fcr den Inhalt nehmen. <\/p>\n\n\n\n<p>Das Problem ist f\u00fcr mich wohlgemerkt nicht, dass Reformen verlangt werden. Die brauchen wir, das ist unstrittig. Das Problem ist die Argumentation: Mit derselben Legitimit\u00e4t fordern konservative Kreise die Reduktion der katholischen Liturgie auf das Modell des Tridentinums &#8211; denn die aktuelle Liturgie in der Volkssprache besteht, um Wolf zu paraphrasieren, erst seit den 1970er Jahren. <\/p>\n\n\n\n<p>Man kann und darf weder Beharrung (&#8222;Des hamma scho immer so gemacht&#8220;) noch Ver\u00e4nderung (&#8222;Fr\u00fcher wor olles bessa!&#8220;) aus historischen Situationen heraus argumentieren. Zentral muss die Orientierung am Evangelium sein, an der Botschaft Christi, die die Menschen heute und an ihren konkreten Orten erreichen muss. &#8222;Ich bin gekommen, damit sie das Leben in F\u00fclle haben&#8220; (Joh 10,10b) &#8211; das ist der Ma\u00dfstab, und nicht das Faktum, dass unter v\u00f6llig anderen Bedingungen andere Regeln gegolten haben m\u00f6gen (NB: Diakoninnen gab es in der Westkirche schon nach dem Ende der Verfolgungszeit im 4. Jh. nicht mehr; die &#8222;Laienbeichte&#8220; war immer umstritten und falls \u00fcberhaupt eine L\u00f6sung in Notlagen; lange vor jedem Kardinalskollegium und erst recht lang vor jedem Papst im heutigen Sinne wurden die Di\u00f6zesen autonom geleitet &#8211; mit allen schlimmen Nebenerscheinungen theologischer Natur, Stichwort Donatismus usw. Es gab f\u00fcr die allermeisten \u00c4nderungen, die sich ergeben haben, gute Gr\u00fcnde.).<\/p>\n\n\n\n<p>Daher sollte man nicht die Vergangenheit verkl\u00e4rt lobpreisen, sondern versuchen, sich am Grundanliegen unserer Kirche jeweils neu zu orientieren, im Geiste Jesu allen Menschen konsequent den Zugang zum Heil zu erm\u00f6glichen, im Sinne eines gelingenden Lebens, Sterbens und Auferstehens. Alles andere, scheint mir, ist Beiwerk.   <\/p>\n\n\n\n<p>   <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der prominente Kirchenhistoriker Hubert Wolf hat in einer \u00f6ffentlichen Veranstaltung &#8211; so die Berichterstattung dar\u00fcber &#8211; das pr\u00e4gnante Statement abgegeben: \u201eDas, was wir heute Kirche nennen, besteht so erst seit dem 19. 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