{"id":267,"date":"2020-07-09T18:27:03","date_gmt":"2020-07-09T16:27:03","guid":{"rendered":"http:\/\/wordpress.einfach-katholisch.at\/?p=267"},"modified":"2020-07-19T07:31:57","modified_gmt":"2020-07-19T05:31:57","slug":"zwischen-hier-und-drueben","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/wordpress.einfach-katholisch.at\/?p=267","title":{"rendered":"Zwischen hier und dr\u00fcben"},"content":{"rendered":"\n<p>Als Diakon \u00fcberbringt man nicht nur die Krankenkommunion, sondern man wird auch zu schwer- und schwerstkranken Menschen gerufen, zu jenen, die in der letzten Lebensphase angekommen sind. Die meisten sind sich dessen bewusst; manche &#8211; wenige &#8211; wissen es tats\u00e4chlich nicht, einige wollen es nicht wahrhaben. <\/p>\n\n\n\n<p>In jedem einzelnen Fall ist so ein Besuch eine Herausforderung, eine Nagelprobe f\u00fcr den eigenen Stand in der Religion, die uns doch gerade angesichts des Todes Zuversicht schenkt. Und nicht immer ist es einfach, diesen Stand sicher zu bewahren. <\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt F\u00e4lle, in denen ich hadere &#8211; wenn ich an meinen Freund Seppi denke, der mit wenig \u00fcber 40 an einer heimt\u00fcckischen Krebserkrankung verstorben ist; und ich wei\u00df nicht, wie ich aus dieser abgrundtiefen Betroffenheit wieder herausgefunden h\u00e4tte, h\u00e4tte er sich von mir bei unserem letzten Treffen (ich besuchte ihn wenige Tage vor seinem Tod im Krankenhaus) nicht mit diesen Worten verabschiedet: &#8222;Wei\u00dft du, man muss auch an Jesus denken&#8230;&#8220; Die Rollen hatten sich umgekehrt, und er &#8211; der wusste, dass ihm nur noch Tage bleiben &#8211; wurde zum Diakon an mir. Daf\u00fcr und f\u00fcr diese geistliche St\u00e4rkung werde ihm immer dankbar bleiben.<\/p>\n\n\n\n<p>Und dann gibt es F\u00e4lle, in denen man das Gef\u00fchl hat, dass das Sterben gelungen ist. Paradox? Gewisserma\u00dfen ja, aber dennoch wahr&#8230; Seit sechs Monaten ist der 75j\u00e4hrige Herr S. im Sterben gelegen. Schon seit Jahrzehnten beeintr\u00e4chtigt von einem Schlaganfall und durchgehend hingebungsvoll betreut und gepflegt von seiner Frau und der ganzen Familie war er am Ende unf\u00e4hig zu schlucken, hat sichtlich gelitten und konnte sich auch nicht mehr verst\u00e4ndlich machen. Ich durfte ihn am Montag abend nochmals besuchen; es war kaum mitanzusehen, wie er litt und wie vor allem seine Gattin mit gelitten hat. Wir haben gemeinsam gebetet und ich habe versucht, ihm so gut ich es eben kann Mut zuzusprechen &#8230; in der Hoffnung, dass er noch einiges davon verstanden hat (die Tr\u00e4nen, die ihm ab und zu aus den Augen gerollt sind und der Blick, mit dem er mich verfolgt hat, die Hand, die er mir entgegengestreckt hat, all das sind f\u00fcr mich Indizien, dass ihm sehr wohl die Vorg\u00e4nge um ihn herum zum Teil noch bewusst waren).<\/p>\n\n\n\n<p>Nach einiger Zeit bin ich gegangen und habe ihm zugesagt, dass wir uns wiedersehen werden. Am n\u00e4chsten Morgen habe ich erfahren, dass er in der Nacht sterben durfte. Und so eigenartig es klingt: Ich war ber\u00fchrt, aber dankbar. Das sind die F\u00e4lle, in denen Sterben eine Dimension des Gelingens annimmt, die ich erkennen kann. Das ist nicht immer der Fall, obwohl ich \u00fcberzeugt bin, dass das nicht daran liegt, dass sie nicht da ist, sondern daran, dass ich sie nicht zu sehen vermag. M\u00f6ge ich es langsam erlernen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als Diakon \u00fcberbringt man nicht nur die Krankenkommunion, sondern man wird auch zu schwer- und schwerstkranken Menschen gerufen, zu jenen, die in der letzten Lebensphase angekommen sind. Die meisten sind sich dessen bewusst; manche &#8211; wenige &#8211; wissen es tats\u00e4chlich nicht, einige wollen es nicht wahrhaben. 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