{"id":258,"date":"2020-04-12T21:14:38","date_gmt":"2020-04-12T19:14:38","guid":{"rendered":"http:\/\/wordpress.einfach-katholisch.at\/?p=258"},"modified":"2020-07-19T07:34:16","modified_gmt":"2020-07-19T05:34:16","slug":"das-ddd-prinzip","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/wordpress.einfach-katholisch.at\/?p=258","title":{"rendered":"Das DDD-Prinzip"},"content":{"rendered":"\n<p>Wer mich n\u00e4her kennt, k\u00f6nnte auf den Gedanken kommen, diese Abk\u00fcrzung h\u00e4tte mit Donald Duck zu tun (ich bin &#8222;Donaldist&#8220;, aber dazu schreibe ich sicher noch einmal einen eigenen Beitrag &#8211; das hat zumindest f\u00fcr mich nur sehr mittelbar mit Religion zu tun und wesentlich mehr mit Wissenschaft). Diese Spur ist aber ganz kalt. DDD steht f\u00fcr mich als Abk\u00fcrzung f\u00fcr drei Leitworte, von deren Wichtigkeit ich zutiefst \u00fcberzeugt bin: Demut, Dankbarkeit und Disziplin.<br>Huch, das klingt jetzt direkt best\u00fcrzend reaktion\u00e4r&#8230; Lassen Sie mich bitte erkl\u00e4ren, was genau ich damit meine:<\/p>\n\n\n\n<h2>Demut<\/h2>\n\n\n\n<p>Wir sind als Menschen in einer eigenartigen Situation; frei nach Blaise Pascal irgendwo zwischen absoluter Bedeutung und v\u00f6lliger Bedeutungslosigkeit &#8211; ein Universum im Vergleich zu einem Grashalm, ein Nichts im Vergleich zum Universum; ein &#8222;denkendes Schilfrohr&#8220;. Unsere Existenz spielt sich zwischen diesen Polarit\u00e4ten ab; und wenn man zu sehr auf eine der beiden Richtungen fokussiert, ger\u00e4t man in eine heikle Schieflage. Blickt man nur auf das Potential des Menschen, k\u00f6nnte man \u00fcberm\u00fctig werden; blickt man ausschlie\u00dflich auf seine Einschr\u00e4nkungen und die Unverf\u00fcgbarkeit schon des eigenen, pers\u00f6nlichen Schicksals, winkt eine Depression.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Haltung, die ich dem gegen\u00fcber als angemessen empfinde, ist Demut. Dem\u00fctig sein hei\u00dft: Sich bewusst sein, dass man keine absolute Bedeutung aus sich selbst heraus hat, und dass man sich selbst und seinem eigenen Leben auch keinen autonomen &#8222;Sinn geben&#8220; kann, was immer auch Motivationstrainer oder Lebensberaterinnen behaupten m\u00f6gen. Sinn beziehen wir immer von einer anderen Instanz, von etwas &#8211; oder jemandem &#8211; auf das oder den wir uns beziehen. In Demut steckt auch MUT: Es erfordert Mut, einzugestehen, <strong>dass ich existenziell auf anderes als mich selbst angewiesen bin<\/strong>, um nicht als leere H\u00fclse ein Leben zu fristen, das nur aus Konsum, aus erkauftem Zuspruch oder \u00fcberlautem Zeit-Totschlagen besteht. Dieser Existenzgrund definiert mich vom ANDEREN her.<br>Sinn beziehen wir als Christinnen und Christen von der Gewissheit, dass es jemanden gibt, der bedingungslos JA zu uns sagt, jeden Tag neu, und der unseren Namen, unser Wesen, unser Sein nicht vergisst, \u00fcber alle zeitlichen und r\u00e4umlichen Dimensionen hinaus (religi\u00f6s ausgedr\u00fcckt: In Ewigkeit). <\/p>\n\n\n\n<p>Mir pers\u00f6nlich hilft es, mir einmal t\u00e4glich &#8211; meistens morgens unmittelbar vor dem Aufstehen &#8211; den Satz zu sagen: &#8222;Ich bin v\u00f6llig unwichtig&#8220;. Wichtigkeit, Bedeutung, Sinn wird uns jeweils von anderen zugesprochen, in letzter, in unverlierbarer Instanz von Gott selbst. <\/p>\n\n\n\n<h2>Dankbarkeit<\/h2>\n\n\n\n<p>Dass ich \u00fcberhaupt bin, verdanke ich nicht mir selbst. Dass ich habe, was ich habe und bin, was ich bin, zum Teil; zum Teil aber auch nicht. Wenn ich es recht bedenke, verdanke ich ziemlich vieles anderen. Meinen Eltern, besonders meiner Mutter seligen Andenkens; meinen Geschwistern; den Freunden und Freundinnen, die ich habe und hatte; ganz besonders meiner Frau und meinen Kindern &#8230; so vieles hat im Laufe dieses Lebens zusammengespielt, damit ich ein Leben f\u00fchren darf, das in so vieler Hinsicht so privilegiert ist. Es ist, so mag man hinzuf\u00fcgen, im Weiteren auch die Gnade der &#8222;richtigen&#8220; Geburt &#8211; ich h\u00e4tte auch in Lateinamerika auf die Welt kommen k\u00f6nnen statt in der Steiermark, oder in einer Zeit, in der die Umst\u00e4nde nicht so lebensf\u00f6rderlich waren wie heute. Aber: W\u00e4re ich denn dann auch &#8222;ich&#8220;? Mit gro\u00dfer Wahrscheinlichkeit, sogar mit Sicherheit: Nein. <br>Deswegen kann ich auch nicht im engeren Sinne &#8222;stolz&#8220; sein auf das, was ich scheinbar erreicht habe (da kommt auch das vorgenannte Stichwort ins Spiel). Es ist nur zu einem geringen Teil mein eigenes Verdienst, und wer mich kennt, hat sicher auch schon die Redensart von mir geh\u00f6rt: &#8222;Da hat der Herrgott mitgeschoben!&#8220;. <br>Ich bin kein besonders guter Christ, sondern ein sehr durchschnittlicher. Aber ich versuche mich zumindest einmal t\u00e4glich daran zu erinnnern, wie viel ich bin\/habe\/besitze, was ich nicht mir selbst verdanke, und daf\u00fcr in Gedanken denen, die es mit verantworten, ein DANKE zu sagen. Und dazu geh\u00f6rt f\u00fcr mich auch Gott, dieses DU, das mir gegen\u00fcbersteht und dem ich Dank schulde f\u00fcr alles, was mir v\u00f6llig unverdient geschenkt wurde und auch f\u00fcr alles, was mein Leben herausfordert und damit formt und pr\u00e4gt. <br>Dankbarkeit bedeutet: Ich setze mich nicht absolut. Dankbarkeit bedeutet: Ich gestehe ein, dass ich mich jemandem verdanke, dass ich nicht selbst mein eigener unbedingter Seinsgrund bin. Und Dankbarkeit bedeutet: Es bleibt nicht bei dieser Einsicht, sondern sie hat eine konkrete Folge &#8211; dass ich mich n\u00e4mlich der Person zuwende, der ich zu Dank verpflichtet bin, und mich mit ihr in der Geste des Dankes in eine Beziehung setze. <\/p>\n\n\n\n<h2>Disziplin<\/h2>\n\n\n\n<p>&#8222;Discipuli&#8220; nannte man im antiken Rom die Sch\u00fcler. Jene also, die sich bewusst waren, das Ziel ihres (Ausbildungs)weges noch nicht erreicht zu haben und die sich daher t\u00e4glich bem\u00fchen mussten. Disziplin hat heute &#8211; genau so wie die beiden schon besprochenen W\u00f6rter &#8222;Demut&#8220; und &#8222;Dankbarkeit&#8220; &#8211; einen seltsamen Beigeschmack; und von allen drei Worten ist Disziplin sicher das am wenigsten zeitgem\u00e4\u00dfe. In einer Gesellschaft, die jahrelang durch die fast unbegrenzten M\u00f6glichkeiten des Bekommens und Habens hier und jetzt verw\u00f6hnt wurde, hat gerade die Coronakrise des Jahres 2020 eine Problematik hochgesp\u00fclt, die sonst fast unbemerkt geblieben w\u00e4re: Dass Disziplin im Sinne von &#8222;sich an Regeln halten, auch wenn sie nicht kontrolliert und sanktioniert werden&#8220; etwas Sinnvolles, Wichtiges und Lebensrettendes sein kann. <br>Disziplin heisst f\u00fcr mich: Etwas tun, nicht weil ich es gern tue, sondern weil es schlicht sinnvoll ist. Es muss gar nicht notwendig sein. Ich w\u00fcrde gern l\u00e4nger im Bett bleiben, und in den Tagen des Home Office w\u00fcrde das nicht nur keiner Seele auffallen, sondern es w\u00e4re auch vordergr\u00fcndig egal. Ist es in Wirklichkeit aber nicht. Denn jedes Zugest\u00e4ndnis an meine eigenen Vorlieben will gut bedacht sein. Es nisten sich &#8211; zumindest bei mir, bei allen anderen Menschen mag es auch anders sein &#8211; sonst zuerst kleine, dann immer gr\u00f6\u00dfere Abweichungen ein, die sich zuletzt in eine erkleckliche Verschwendung von Lebenszeit, von Ressourcen, letztlich von Potential f\u00fcr mich, f\u00fcr meine Familie, f\u00fcr Menschen, die mir anvertraut sind, f\u00fcr die Welt aufsummieren. <br>Wir tragen als Menschen eine Verantwortung, und zwar prim\u00e4r nicht f\u00fcr uns selbst, sondern f\u00fcr unsere N\u00e4chsten. Dieser Verantwortung k\u00f6nnen wir nur mit einem sinnvollen Ma\u00df an Disziplin gerecht werden. Das &#8222;sinnvolle Ma\u00df&#8220; ist dabei aber wichtig: Es geht nicht um eine Regelkonformit\u00e4t auf Biegen und Brechen. Es geht vielmehr darum, in der Mehrzahl der F\u00e4lle, in denen man vor einer m\u00f6glichen Entscheidung steht, die sinnvolle und wahrscheinlich unbequeme Variante zu w\u00e4hlen, auch wenn es niemand bemerkt. Es geht darum, eine vermeintlich g\u00fcnstige Gelegenheit, sich selbst einen Vorteil zu Lasten anderer zu verschaffen, nicht zu nutzen. Es geht darum, das Richtige zu tun und moralisch zu handeln, auch und vor allem, wenn man im Vorhinein schon wei\u00df, dass es unbedankt bleiben wird.  <br>Disziplin hat also auch damit zu tun, keinen Dank zu erwarten, selbst aber sehr wohl Dankbarkeit zu zeigen, wenn sie angebracht ist. Und damit, ehrliche Dankbarkeit, wenn sie mir selbst entgegengebracht wird, anzunehmen. Und zwar in Demut.<\/p>\n\n\n\n<p>Und damit schlie\u00dft sich wieder der Kreis der Begriffe. Ich wei\u00df, dass dieses &#8222;DDD&#8220; nicht die L\u00f6sung aller Probleme der Welt sein kann.  NEIN, es gelingt mir bei weitem nicht immer, selbst nach diesen Leitworten zu leben, genau genommen gelingt es mir zu selten.  Mir ist auch klar, dass es daran einiges zu m\u00e4keln gibt, und dass es sicher bessere Varianten der Lebensf\u00fchrung gibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber ich bin \u00fcberzeugt, dass es schlechtere Varianten gibt, und dass diese drei Worte, wenn sie konsequent und immer in dieser Kombination gelebt w\u00fcrden, unsere \u00dcberlebenschancen in Frieden und in Gerechtigkeit deutlich steigern w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n<p><br><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer mich n\u00e4her kennt, k\u00f6nnte auf den Gedanken kommen, diese Abk\u00fcrzung h\u00e4tte mit Donald Duck zu tun (ich bin &#8222;Donaldist&#8220;, aber dazu schreibe ich sicher noch einmal einen eigenen Beitrag &#8211; das hat zumindest f\u00fcr mich nur sehr mittelbar mit Religion zu tun und wesentlich mehr mit Wissenschaft). Diese Spur ist aber ganz kalt. 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