{"id":236,"date":"2020-03-30T11:58:03","date_gmt":"2020-03-30T09:58:03","guid":{"rendered":"http:\/\/wordpress.einfach-katholisch.at\/?p=236"},"modified":"2020-07-19T07:33:56","modified_gmt":"2020-07-19T05:33:56","slug":"die-kirche-verfuegt-ueber-unermessliche-ressourcen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/wordpress.einfach-katholisch.at\/?p=236","title":{"rendered":"&#8222;Die Kirche verf\u00fcgt \u00fcber unermessliche Ressourcen&#8230;&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p>Es kommt mit sch\u00f6nster Regelm\u00e4\u00dfigkeit: Wenn wieder einmal f\u00fcr eine Notlage gesammelt werden muss, dann gibt es neben den vielen Menschen, die mithelfen und spenden auch etliche, die das ignorieren und ausblenden. Beides ist ok; Spenden haben definitionsgem\u00e4\u00df Freiwilligkeit in ihrem Begriff, sonst w\u00e4ren es ja Steuern oder Zwangsabgaben; und jeder Person steht es daher zu, sich an einem Spendenaufruf zu beteiligen oder eben nicht. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Da gibt es aber auch noch die kleine, aber h\u00f6chst aktive Gruppe derer, die selbst keinerlei Beitrag leisten und zugleich lautstark die Verantwortung auf andere schieben<\/strong>. Meist passiert das in der Formulierung &#8222;XY hat unendlich viel Geld, soll doch der \/ die spenden!&#8220; Besonders oft ist die Kirche, konkret: die katholische Kirche, das Ziel derartiger Agitation, die meist in den sozialen Medien und ziemlich unreflektiert erfolgt. Ich m\u00f6chte in den folgenden Zeilen versuchen, dieses Pauschalurteil ein wenig zu beleuchten und darzustellen, dass die Wirklichkeit doch etwas komplexer ist als sie f\u00fcr einige Menschen aussieht.<\/p>\n\n\n\n<h2>Die Kirche&#8230;<\/h2>\n\n\n\n<p>Zuerst: Wovon sprechen wir, wenn wir von &#8222;der Kirche&#8220; sprechen? Grunds\u00e4tzlich ist es v\u00f6llig richtig, dass es eine &#8222;Weltkirche&#8220; gibt. Sie ist in der gemeinsamen Taufe gegr\u00fcndet; und sie besteht aus jeder Person, die irgendwann in der Geschichte und irgendwo auf der Welt im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes getauft worden ist. Das ist die &#8222;heilige katholische Kirche&#8220; des Glaubensbekenntnisses, das wir jeden Sonntag sprechen. In diesem Satz dr\u00fcckt sich n\u00e4mlich nicht unser Glaube an die konkrete r\u00f6misch-katholische Kirche aus &#8211; die gibt es realistisch mit all ihren Vorz\u00fcgen und Schw\u00e4chen, mit all ihren menschlichen und g\u00f6ttlichen Aspekten. Wenn es aber etwas gibt, dann muss man nicht daran glauben, sondern kann es einfach zur Kenntnis nehmen. Nein, woran wir glauben, das ist jene katholische Kirche, die das endzeitliche Ziel ist: Die allumfassende (im Bibelgriechischen heisst <em>kata holon<\/em> &#8222;dem Ganzen entsprechend&#8220;!) Gemeinschaft aller, die an Christus glauben und durch ihn und in ihm erl\u00f6st sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann gibt es als Teilmenge davon die <strong>r\u00f6misch-katholische Kirche<\/strong>, sichtbar in ihrer menschlichen, Objekt des Glaubens in ihrer g\u00f6ttlichen Gestalt; f\u00fcr uns Katholikinnen und Katholiken das Grundsakrament (also wirksames Zeichen der Liebe Gottes in dieser Welt). Auch diese konkrete Kirche existiert weltweit; ihr verbindendes Element ist das gemeinsame Bekenntnis zu den katholischen Kernlehren. Wesentlich geh\u00f6ren dazu die sieben Sakramente, die permanente reale Gegenwart Christi in der Eucharistie, die Vorrangstellung des Papstes und seine verbindliche Autonomie in Fragen der Glaubenslehre und nicht zu vergessen die zentrale Rolle der Tradition innerhalb der Glaubensgemeinschaft insbesondere in der Liturgie. <\/p>\n\n\n\n<p>Diese Kirche sind wir alle. Wir alle, nicht nur die &#8222;Hauptamtlichen&#8220;, die bezahlt werden (in relativ bescheidenem Umfang \u00fcbrigens), die &#8222;Ehrenamtlichen&#8220; wie (jeweils m\/w und v\u00f6llig unbezahlt) Mesner, Kommunionspender, Lektorinnen, Begr\u00e4bnisleiter, Vorbeterinnen usw. usw. und die &#8222;Aktiven&#8220;, die sich z.B. durch karitative Aktivit\u00e4ten auszeichnen. Nein: <strong>Wir alle sind Kirche, sind durch die Taufe Christinnen und Christen, durch Eucharistie und Firmung voll eingegliedert in das Volk Gottes, im Glauben verbunden und in der Liturgie vereint<\/strong> &#8211; als Katholik kann man wunderbar einen katholischen Gottesdienst in einer v\u00f6llig fremden Sprache besuchen und dennoch bewusst mitfeiern. Die starke Form verbindet. <\/p>\n\n\n\n<h2>ABER:<\/h2>\n\n\n\n<p><strong>Diese katholische Weltkirche ist eine <em>theologische <\/em>Gr\u00f6\u00dfe, keine politische<\/strong>. Und wenn der Papst auch das geistliche Oberhaupt aller Katholikinnen und Katholiken ist, so hat er doch politisch (und zwar ganz offiziell im diplomatischen Protokoll) nicht mehr und nicht weniger zu sagen als das Oberhaupt eines anderen Staates &#8211; in dem Fall, weil er der Staatschef des Vatikanstaates ist. <\/p>\n\n\n\n<p>Hier ist es wichtig zu betonen, dass die katholische Kirche <strong>wirtschaftlich v\u00f6llig dezentral<\/strong> aufgebaut ist. Die einzelnen Di\u00f6zesen arbeiten v\u00f6llig autonom, und ebenso die Orden und anderen kirchlichen Wirtschaftsk\u00f6rper. Der <strong>Vorteil <\/strong>dabei ist: Sie m\u00fcssen keine &#8222;Steuern&#8220; oder Abgaben \u00fcber den sogenannten &#8222;Peterspfennig&#8220; hinaus nach Rom bezahlen. Der <strong>Nachteil<\/strong>: Die Autonomie der einzelnen Organe heisst auch, dass ihre Leiterinnen und Leiter in der Verwendung ihrer Mittel autonom sind. Es gibt eine j\u00e4hrliche Rechnungspr\u00fcfung, aber die best\u00e4tigt ja nur, dass das Budget nachvollziehbar ist &#8211; sie macht keine Verwendungsvorschriften, das ist auch nicht ihre Aufgabe.<\/p>\n\n\n\n<p>So kommt es zu dieser interessanten Situation: Allein in der Steiermark gibt es neben der Di\u00f6zese Graz-Seckau Dutzende von budget\u00e4r v\u00f6llig unabh\u00e4ngigen Einrichtungen, die zwar kirchlicher Natur , aber wirtschaftlich v\u00f6llig selbst\u00e4ndig sind. <\/p>\n\n\n\n<p>Am bekanntesten und mit dem gr\u00f6\u00dften Umsatz sind die <strong>Ordensspit\u00e4ler<\/strong>; in der Steiermark sind das die Barmherzigen Br\u00fcder, die Elisabethinen und die Kreuzschwestern in Graz, das Marienkrankenhaus in Vorau und das Haus unserer evangelischen Geschwister in Schladming, das Krankenhaus der Diakonissen. Diese H\u00e4user leisten Gro\u00dfartiges (wer schon einmal Patient dort war oder schwerstkranke Patienten dort besucht hat, wei\u00df, wovon ich rede), <strong>werfen<\/strong> aber &#8211; wie jedes andere Krankenhaus au\u00dfer elit\u00e4ren Privatkliniken &#8211; <strong>keinen Gewinn ab<\/strong> (das w\u00e4re auch nicht der Zweck eines Krankenhauses, meine ich).<\/p>\n\n\n\n<p>Dann gibt es die verschiedenen <strong>Orden <\/strong>und ihre Niederlassungen. Besonders bekannt sind in der Steiermark die <strong>Stifte <\/strong>Admont, St. Lambrecht, Rein und Vorau; es gibt aber noch viele weitere <strong>Kl\u00f6ster <\/strong>&#8211; kleine und relativ unbekannte Standorte, die ihren Aufgaben in der Seelsorge und im Armendienst ohne Aufhebens nachkommen. Ohne Anspruch auf Vollst\u00e4ndigkeit nenne ich hier die FranziskanerInnen in Graz und Bad Gleichenberg, die Kapuziner in Leibnitz und Irdning, die Karmelitinnen, Ursulinen, die Barmherzigen Schwestern in der Mariengasse &#8230; sie alle k\u00fcmmern sich um Schulen, Arme, Obdachlose oder einfach durch ihr Gebet in Armut und Abgeschiedenheit um unser Seelenheil. Und alle diese Orden sind zwar kirchlicher Natur, aber rechtlich und wirtschaftlich v\u00f6llig selbst\u00e4ndig.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie unterscheidet sich ein Stift von einem Kloster<\/strong>? Nun, hinter einem Stift steht eine Rechtsform, die jedermann auch privat offensteht, n\u00e4mlich eine Stiftung. Wenn man einen Teil seines Verm\u00f6gens permanent einem bestimmten Zweck widmen m\u00f6chte, dann ist eine Stiftung das Mittel der Wahl. Das ist keine neue Erkenntnis &#8211; so haben auch schon Herrscher (vergleichbar mit schwerreichen Wirtschaftsbossen heute) fr\u00fcherer Zeiten gearbeitet. St. Lambrecht ist z.B. eine Stiftung des Herzogs Heinrich III. von K\u00e4rnten, der dem bereits bestehenden Kloster einen (kleinen) Teil seines Eigentums \u00fcbertrug, damit es wirtschaftlich selbst\u00e4ndig existieren kann. Eigent\u00fcmer des Grundbesitzes eines Stiftes ist daher nicht der Orden, sondern strenggenommen die Stiftung, die dem Orden zugewendet wurde und die ausschlie\u00dflich im Sinne des Stifters zu handeln hat. Ein Kloster hingegen ist einfach die Wohn-, Gebets- und Lebensgemeinschaft von Angeh\u00f6rigen eines Ordens. Ein Kloster kann, aber muss kein Stift sein; in der \u00fcberwiegenden Mehrzahl der F\u00e4lle ist es auch keines, sondern eine vergleichsweise kleine Einrichtung. Diese unterscheiden sich auch nach ihrer Ordensregel in ihrer Lebensf\u00fchrung und spirituellen Ausrichtung &#8211; ich kann nur empfehlen, einmal &#8222;Kloster auf Zeit&#8220; oder Exerzitien f\u00fcr mindestens eine Woche in einem solchen Haus zu machen, um einen Begriff von dieser ganz anderen Lebensform zu bekommen, mit ihrer je eigenen spirituellen Tiefe &#8211; und je eigenem Verm\u00f6gensumfang, von wirklich pers\u00f6nlich arm wie die Karmelitinnen bis zu (relativ) wohlsituiert wie Augustiner-Chorherren. Letztere haben sogar einen eigenen Fernseher (im gemeinsamen Fernsehraum, NICHT einen pro Mitglied).<\/p>\n\n\n\n<h2>Die unermesslichen Ressourcen<\/h2>\n\n\n\n<p><em>Es ist v\u00f6llig richtig, dass alle kirchlich ausgerichteten Organisationsformen zusammengenommen ein erkleckliches Verm\u00f6gen besitzen.<\/em> Dazu geh\u00f6ren Barmittel (in eher geringem Umfang), Immobilien und landwirtschaftlicher Grundbesitz. Sehen wir uns diese drei Kategorien n\u00e4her an.<\/p>\n\n\n\n<h2>Barmittel<\/h2>\n\n\n\n<p>Hier m\u00f6chte ich als Beispiel die Di\u00f6zese Graz-Seckau herausgreifen, die ihren Rechnungsabschluss durch externe Wirtschaftspr\u00fcfer checken l\u00e4sst und ihn j\u00e4hrlich offenlegt. Der von mir hier herangezogene ist der von 2018, der im Sonntagsblatt f\u00fcr Steiermark am 26.8. ver\u00f6ffentlicht wurde (ebd. S. 10). Die <strong>Gesamteinnahmen beliefen sich auf immerhin 105 Millionen Euro.<\/strong> Sie setzen sich im Wesentlichen zusammen aus Kirchenbeitr\u00e4gen (68%, hier und im Folgenden sind alle Prozents\u00e4tze gerundet!), Ertr\u00e4ge aus kirchlicher T\u00e4tigkeit (10%), Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung (6 %), Subventionen und Zusch\u00fcsse (z.B. f\u00fcr gro\u00dfe kulturell bedeutende Bauprojekte, 3%) und sonstige Ertr\u00e4ge (alles andere, 6,6%) &#8211; UND <strong>staatliche Wiedergutmachung<\/strong> (7%). \u00dcber letzteren Posten m\u00f6chte ich etwas Kl\u00e4rendes sagen, weil oft kolportiert wird, dass die Kirche unter diesem Titel vom Staat gef\u00f6rdert wird. Das ist schlicht falsch. <br>Der Hintergrund ist vielmehr dieser: Bis zur gro\u00dfen Kirchenreform, die Kaiser Josef II. Ende des 18. Jh. durchf\u00fchrte, war die seelsorgliche Struktur in \u00d6sterreich eine v\u00f6llig andere. Es gab viel weniger Pfarren als heute, aber eine viel h\u00f6here Dichte an Kl\u00f6stern, von denen die meisten keine konkrete seelsorgliche Aufgabe wahrnahmen. <strong>Josef II. enteignete nun die meisten der Orden und brachte das Verm\u00f6gen in einen staatlichen Religionsfonds ein, der nach heutigem Wert etwa 700 Millionen Euro (!) umfasste<\/strong>. Die Zinsen aus diesem Verm\u00f6gen wurden nach dem Willen des Kaisers verwendet, um neue Pfarren zu errichten (jeder Untertan sollte im Umkreis von einer Stunde Gehzeit eine Pfarrkirche erreichen k\u00f6nnen) und die Priester zu besolden bzw. den laufenden Aufwand zu decken. Daf\u00fcr gab es keinerlei Kirchenbeitrag durch die Gl\u00e4ubigen. Diese Regelung hielt sich bis 1938 (der Religionsfonds wurde 1918 mit dem Untergang des Kaiserreiches stark beschnitten, aber nicht v\u00f6llig aufgegeben). Mit dem sogenannten &#8222;Anschluss&#8220; wurde er von den Nazis eingezogen, die auch gleich den gr\u00f6\u00dften Teil des noch verbleibenden kirchlichen Verm\u00f6gens beschlagnahmten, sodass die Kirche im &#8222;Dritten Reich&#8220; praktisch mittellos war. Zugleich installierten die neuen &#8222;Machthaber&#8220; das Kirchenbeitragssystem mit dem Hintergedanken, der katholischen Kirche damit jede finanzielle Grundlage zu entziehen.<\/p>\n\n\n\n<p>1945 konnte die Kirche erreichen, dass ihr ein Teil des beschlagnahmten Verm\u00f6gens zur\u00fcckerstattet wurde. Doch nicht alles, und auch der &#8222;Religionsfonds&#8220; wurde nicht wieder errichtet. Stattdessen blieb man beim Kirchenbeitragssystem, und die Republik als neuer Eigent\u00fcmer des Verm\u00f6gens aus dem alten Religionsfonds und eines Gutteils des beschlagnahmten Kirchenverm\u00f6gens bezahlt seitdem aus den Ertr\u00e4gen dieses Verm\u00f6gens (&#8222;Zinsen&#8220;) eine staatliche Wiedergutmachung an die Kirche &#8211; die Alternative w\u00e4re die v\u00f6llige Restitution gewesen. Damit sollte klar sein: <strong>Der Staat &#8222;schenkt&#8220; der Kirche kein Geld, sondern er hat Verm\u00f6gen der Kirche einbehalten und zahlt eine Entsch\u00e4digung daf\u00fcr.<\/strong> Diese betr\u00e4gt f\u00fcr ganz \u00d6sterreich ca. 46 Millionen Euro pro Jahr. <\/p>\n\n\n\n<h2>Immobilien und landwirtschaftlicher Grundbesitz<\/h2>\n\n\n\n<p>Der landwirtschaftliche Grundbesitz mit kirchlichem Bezug findet sich vor allem an zwei Stellen: in den Pfarren und in den Stiften. Zu den Stiften ist oben schon das Meiste gesagt worden. Etwas Wesentliches muss man hier allerdings auch mit einbeziehen: <strong>Wenn etwa das Stift Admont zu den gr\u00f6\u00dften Waldbesitzern in der Nordsteiermark geh\u00f6rt, muss ber\u00fccksichtigt werden, dass das mit dem Tourismus zusammen die wesentliche Einnahmequelle des Stiftes ist. Es ist aber zugleich auch Arbeitgeber. Neben \u00fcber 20 M\u00f6nchen sind ca. 500 Arbeiskr\u00e4fte in Betrieben des Stiftes t\u00e4tig und haben dort einen sicheren Arbeitsplatz; im mittleren Ennstal ist das Stift damit ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor<\/strong>. Mittelbar lebt die Region auch wesentlich vom Stift (Tourismus), das aber neben den Personalkosten auch <strong>enorme Baulasten <\/strong>mit sich bringt. Der landwirtschaftliche Grundbesitz stellt also durchaus einen Wert dar, der aber nicht einfach verkauft werden kann &#8211; weil damit das Stift mittelfristig untergeht, mit allem, was daran h\u00e4ngt. <br><strong>Auch Pfarren haben Grundbesitz<\/strong>, aus historischen Gr\u00fcnden &#8211; insbesondere die Pfarrer am Land haben jeweils eine kleine Landwirtschaft mit betrieben, um sich wenigstens zum Teil selbst versorgen zu k\u00f6nnen. Zahlreiche &#8222;Pfarrerwitze&#8220; gehen darauf zur\u00fcck; und in Nestelbach bei Graz zeugt noch der alte Saustall hinter dem Pfarrhof, in dem nun rechts die Garagen untergebracht sind, von dieser T\u00e4tigkeit (unser Nestelbacher Altpfarrer Friedrich Tieber seligen Andenkens hat noch gelernt, so zu arbeiten). So war jeder Pfarre ein kleinerer oder gr\u00f6\u00dferer Grundbesitz zugeordnet, die sogenannte <strong>&#8222;Pfr\u00fcnde&#8220;<\/strong>. Diese Grundst\u00fccke sind heute meistens um einen fairen Zins an lokale Bauern verpachtet. Im Fall von Nestelbach bei Graz sind das ca. 20 ha Wald und Wiesenfl\u00e4chen. Die Einnahmen daraus gehen an die Di\u00f6zese; sie firmieren wie oben angef\u00fchrt unter &#8222;Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung&#8220; und dienen der laufenden Bezahlung der Kleriker.  An dieser Stelle muss man auch klar sagen, dass die Kirche einen eigenen  Fonds erh\u00e4lt, der mit (Stand 2015) ca. 40 Mio. Euro dotiert ist &#8211; und  zwar, damit aus dessen Ertr\u00e4gen die Pensionen und notwendigen  medizinischen Behandlungen der Altpriester bezahlt werden k\u00f6nnen.  Pfarrer sind im Allgemeinen nicht sozialversichert &#8211; denn der Bischof  hat kirchenrechtlich ihnen gegen\u00fcber eine Obsorgepflicht und muss  gerechterweise f\u00fcr sie aufkommen. Wenn man das Durchschnittsalter des  Klerus in der Steiermark bedenkt, dann ist klar, dass da einiges  zusammenkommt &#8211; und die Zinsen aus diesem Topf bei der derzeitigen  Wirtschaftslage bei weitem nicht ausreichen.  <br>Und dann gibt es noch Geb\u00e4ude, die meisten davon unver\u00e4u\u00dferlich (Kirchen, Kapellen), viele andere zum laufenden Betrieb notwendig (wie das bisch\u00f6fliche Ordinariat), aber die allermeisten davon mit strengen Denkmalschutzauflagen &#8230; und damit weitgehend unverk\u00e4uflich. Etliche sind vermietet (Pfarrh\u00f6fe, die nicht mehr gebraucht werden). Die Mieteinnahmen flie\u00dfen ebenso in denselben Posten. In der gesamten Di\u00f6zese Graz-Seckau werden derzeit (Stand 30.3.2020) insgesamt 2000 Immobilien veraltet; davon sind 1\/3 Kirchen und Kapellen, 1\/3 Pfarrh\u00f6fe, und 1\/3 sonstige wie Schulen, Kinderg\u00e4rten, Heime, Bibiliotheken, Wohnh\u00e4user und andere Objekte. Die Kanzlei des Wirtschaftsdirektors schreibt mir dazu: &#8220; Der Geb\u00e4udebestand wird auf seine Notwendigkeit \u00fcberpr\u00fcft und nur der f\u00fcr die Pastoralen- und Bildungszwecke n\u00f6tige Teil behalten. Dieser muss aber leider auch mit allen Kosten erhalten werden.&#8220; Diese sogenannten Baulasten kennen wir auch in Nestelbach nur allzu gut &#8211; wir haben 2019 das Pfarrheim saniert (das in diesem Fall nicht der Di\u00f6zese geh\u00f6rt, sie hat aber dennoch einen gr\u00f6\u00dferen Zuschuss geleistet) und sehen, wie m\u00fchevoll es ist, die Kosten auf- bzw. wieder hereinzubringen. <\/p>\n\n\n\n<h2>Einnahmen und Ausgaben: Bilanz<\/h2>\n\n\n\n<p>Damit sind wir beim sicher interessantesten Teil dieses Beitrages, der Gegen\u00fcberstellung von Einnahmen und Ausgaben. Den oben angef\u00fchrten Einnahmen von 105 Mio. stehen Ausgaben von 110 Mio. gegen\u00fcber. Sie entfallen auf Pfarren (Geh\u00e4lter, Betrieb, Sachaufwand, Zusch\u00fcsse, 46%), pastorale Aufgaben (Leistungen der Kirche direkt vor Ort, 16%), Bildung, Kunst und Kultur (Museen, Weiterbildungsveranstaltungen, Vortr\u00e4ge, 16%), soziale und karitative Aufgaben (3%), Weltkirche und Entwicklungshilfe (3%) und Leitung, Verwaltung und Organisation (17%). Die Differenz wurde aus R\u00fccklagen finanziert. In absoluten Zahlen heisst das: 2,6 Mio Euro des Di\u00f6zesanbudgets flie\u00dfen in einem ganz normalen Jahr ohne Wenn und Aber in soziale und karitative Aufgaben im Inland. Der &#8222;Entwicklungshilfe&#8220;-Anteil ist mit 3,4 Mio noch h\u00f6her dotiert; mit einer gewissen Berechtigung, w\u00fcrde ich meinen, denn anders als bei uns gibt es in den Ziell\u00e4ndern der Hilfsaktionen keine Grundversorgung, kein Sozialsystem &#8211; und mitunter nicht einmal Menschenrechte. <\/p>\n\n\n\n<p>In dieser f\u00fcr sich gesehen schon beeindruckenden Zahl ist aber noch nicht enthalten, was Pfarren vor Ort im Bereich von Spenden tun. Wenn jemand mit einem akuten Problem zu einer Pfarre kommt, dann wird geholfen, machmal durch Vermittlung von Hilfe, meist aber durch eine direkte und unmittelbare finanzielle Unterst\u00fctzung. Freilich, das sind keine vergleichbaren Budgets; in der Pfarre Nestelbach ist es in der Regel ein mittlerer vierstelliger Betrag, den Menschen in unmittelbarer Not bekommen (Nahrungsmittel, Heizmaterial, Mietr\u00fcckst\u00e4nde, die eine Delogierung drohen lassen, Rechnungen f\u00fcr Wasser und Strom, die nicht bezahlt werden k\u00f6nnen, unerwartete Ereignisse wie ein Brand, bei dem eine Soforthilfe notwendig ist). Und wenn man das jetzt mit den 200 Pfarren in der Steiermark multipliziert, dann kommt auch wieder einiges zusammen. <\/p>\n\n\n\n<h2>&#8222;Beten allein hilft nicht&#8220;<\/h2>\n\n\n\n<p>Nach meiner pers\u00f6nlichen Erfahrung wei\u00df ich, dass Beten auch hilft. Und zwar eine ganze Menge. Eine wesentliche Voraussetzung daf\u00fcr ist, dass ich als Mensch das Meine so gut wie m\u00f6glich tue. Was NICHT funktioniert, ist, die Verantwortung ganz auf Gott abzuw\u00e4lzen: Wir sind nun einmal SEINE verl\u00e4ngerten Arme auf dieser Welt, und als Christinnen und Christen aufgerufen, aktiv mitzuwirken, damit das Reich Gottes sichtbar werden kann. Insofern hat der Satz schon eher seine Richtigkeit als das Zitat, das die \u00dcberschrift dieses Artikels bildet: <strong>Beten allein hilft nicht, wenn man seine anderen M\u00f6glichkeiten nicht auch nutzt.<\/strong> Ein \u00e4lterer Mensch, der vielleicht noch k\u00f6rperlich beeintr\u00e4chtigt ist; oder jemand, der chronisch krank ist; Mitglieder von Orden, die ihrem Wesen nach das Leben dem Gebet f\u00fcr uns allen widmen, oder Mittellose mit &#8222;zwei linken H\u00e4nden&#8220; &#8211; in diesen F\u00e4llen ist mit Beten allein viel getan, und daf\u00fcr danken wir auch herzlich.<\/p>\n\n\n\n<p>Mein Aufruf in diesem Zusammenhang ist: Besinnen wir uns darauf, dass wir alle Kirche sind und vereinen wir die Ans\u00e4tze von Gebet und aktiver (Mit)arbeit &#8211; <strong>DAS ist der eigentliche Reichtum, die eigentliche unendliche Ressource der Kirche<\/strong>. Wir als Gemeinschaft, wir als die, die mit Hand anlegen in spiritueller und materieller Hinsicht. Auch daf\u00fcr ein herzliches Danke.<\/p>\n\n\n\n<p>Soviel also zu den &#8222;unermesslichen Ressourcen der Kirche&#8220;. Ich hoffe, mit diesen Zeilen kann ich einiges zur Klarheit in dieser Frage beitragen. Es ist mir auch ein Anliegen, darauf hinzuweisen, dass angesichts dieser Situation die steirische Kirche einiges leistet (f\u00fcr die anderen Di\u00f6zesen habe ich keine so klaren Zahlen, aber es d\u00fcrfte \u00f6sterreichweit \u00e4hnlich sein). F\u00fcr R\u00fcckfragen stehe ich gern zur Verf\u00fcgung!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es kommt mit sch\u00f6nster Regelm\u00e4\u00dfigkeit: Wenn wieder einmal f\u00fcr eine Notlage gesammelt werden muss, dann gibt es neben den vielen Menschen, die mithelfen und spenden auch etliche, die das ignorieren und ausblenden. 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